Seven Deadly Sins: Origin – Warum ich länger geblieben bin als geplant

Man kennt’s ja: Neues Anime-Game wird angekündigt, Trailer sieht gut aus, Community dreht kurz auf – und am Ende ist es dann doch wieder „nur“ ein weiteres Gacha-Spiel. Bei Seven Deadly Sins: Origin bin ich genau mit dieser Erwartung reingegangen. Vorsichtig optimistisch, aber ohne große Hoffnungen. Und jetzt sitze ich hier und merke: Ich bin deutlich länger drin geblieben, als ich eigentlich wollte. Eigentlich war der Plan ziemlich simpel. Reinschauen, ersten Eindruck holen, wieder raus. Hat nur so halb funktioniert. Stattdessen bin ich relativ schnell an dem Punkt gelandet, an dem ich nicht mehr „teste“, sondern einfach spiele. Und das passiert mir bei solchen Titeln eher selten.

Kurzer Einblick auf die Vorlage

The Seven Deadly Sins ist eine Anime- und Manga-Reihe, die unter anderem auch auf Netflix verfügbar ist. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe legendärer Ritter, die einst als Verräter gebrandmarkt wurden und sich später wieder zusammenfinden, um das Königreich Liones zu retten. Die Geschichte verbindet klassische Fantasy-Elemente mit Magie, Action und einer klar charaktergetriebenen Handlung.

Mehr Spiel als nur Gacha?

Was mir ziemlich schnell aufgefallen ist: Das Spiel hängt sich nicht ausschließlich an seinen Gacha-Mechaniken auf. Natürlich ist das System da, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber im Alltag spielt sich Seven Deadly Sins: Origin eher wie ein klassisches Open-World-RPG, als man es vielleicht erwarten würde.

Reittiere fangen, Begleiter sammeln, Materialien farmen, kochen, craften alles Dinge, die hier nicht nur Beiwerk sind, sondern tatsächlich Teil des normalen Spielablaufs. Gerade im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen mit Genshin Impact oder Honkai Star Rail wirkt das Ganze weniger nach „System abarbeiten“ und mehr nach klassischem Erkunden.

Starke Vorlage, starke Optik

Optisch ist ziemlich schnell klar, wo sich das Spiel bedient: The Seven Deadly Sins ist hier nicht nur Inspiration, das sieht man an allen Ecken. Die Welt wirkt dabei erstmal stimmig, aber nicht unbedingt so, als würde sie ständig neue Highlights setzen wollen. Eher so ein „passt schon so zusammen“-Gefühl beim Durchlaufen. Was mir am ehesten im Kopf bleibt, sind tatsächlich die Gegnerdesigns. Die sind immer wieder ein bisschen anders, ohne dass sie groß auf Aufmerksamkeit gehen müssen. Und genau dadurch passiert so ein Effekt, dass man einfach weiterläuft, auch wenn man eigentlich nur kurz irgendwo hinwollte.

Seven Deadly Sins: Origin

Charaktere noch nicht ganz angekommen

Ein Punkt, der mir aktuell noch etwas fehlt, ist die Charaktervielfalt – beziehungsweise eher der Bezug dazu. Die Auswahl ist grundsätzlich da, aber im Moment hat sich für mich noch keine Figur wirklich hervorgehoben. Dieses klassische „das ist jetzt mein Charakter“-Gefühl ist noch nicht entstanden. Kann gut sein, dass das einfach eine Frage der Spielzeit ist oder sich mit späteren Inhalten noch ändert. Stand jetzt bleibt das für mich aber einer der Punkte, der noch Luft nach oben hat.

Einstiegshürde bleibt ein Thema

Wer wenig Berührungspunkte mit Gacha-Spielen hat, wird sich an manchen Stellen erst orientieren müssen. Das ist weniger ein konkreter Kritikpunkt am Spiel selbst, sondern eher eine Genre-Sache. Bestimmte Systeme erschließen sich nicht sofort und verlangen ein bisschen Einarbeitung. Ich persönlich merke das vor allem daran, dass ich hier und da noch nicht ganz „optimiert“ unterwegs bin – aber das gehört bei solchen Spielen vermutlich einfach dazu.

Unerwartet lange drin geblieben

Seven Deadly Sins: Origin hat mich deutlich länger beschäftigt, als ich es anfangs erwartet hätte, auch wenn es das Genre nicht komplett neu definiert. Die Mischung aus Open-World-Elementen, klassischen Gameplay-Systemen und der starken Anlehnung an The Seven Deadly Sins funktioniert überraschend gut und sorgt dafür, dass man schneller drin ist, als man vielleicht denkt. Für Fans der Vorlage ist das Ganze ziemlich nah dran am Non plus ultra. Und selbst Spieler, die sonst wenig mit Gacha anfangen können, könnten hier einen deutlich zugänglicheren Einstieg finden, als man es dem Genre auf den ersten Blick zutrauen würde.

Marcel, Nerdybunch