LAST FLAG: Wenn Musiker plötzlich Videospiele entwickeln

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sagt man ja ganz gern. Als Musiker plötzlich ein Videospiel entwickeln? Klingt erstmal nach einer Idee, bei der man zumindest kurz skeptisch wird. Ganz ehrlich: Bis zum 16. Februar 2026 hätten Julian und ich wahrscheinlich gesagt, dass daraus eher selten etwas wirklich Überzeugendes entsteht. Doch genau an diesem Abend wurden wir eines Besseren belehrt.

Im Rahmen eines Digital Press Events hatten wir nämlich die Gelegenheit, einen ersten Blick auf Last Flag zu werfen – einen neuen Multiplayer-Shooter des Studios Night Street Games. Und zwar nicht nur über Trailer oder Präsentationen, sondern direkt selbst in einer spielbaren Demo.

Ein neues Studio mit bekannten Gesichtern

Night Street Games ist ein unabhängiges Entwicklerstudio aus Las Vegas. Gegründet wurde es von Dan Reynolds und Mac Reynolds, die viele vermutlich eher als Mitglieder der Band Imagine Dragons kennen. Gemeinsam mit Game Director Matthew Berger arbeitet das Team an kompetitiven Multiplayer-Spielen.

Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem Gameplay – also darauf, dass sich ein Spiel gut spielt und langfristig motiviert. Der Grundgedanke hinter dem Studio ist eigentlich ziemlich simpel:
Die drei sind selbst große Videospiel-Fans und wollten ein Spiel entwickeln, das sie auch selbst gerne spielen würden. Während der Präsentation wurde auch darüber gesprochen, welche Titel sie privat spielen. Unter anderem fielen dabei Spiele wie No Man’s Sky, League of Legends und andere Multiplayer-Games.

Dan Reynolds und Mac Reynolds, Night Street Games

Capture the Flag trifft Hero-Shooter

Das Grundprinzip von Last Flag lässt sich relativ schnell erklären. Das Spiel kombiniert klassische Capture-the-Flag-Mechaniken mit einem 5-gegen-5-Hero-Shooter. Vor jeder Runde wählen die Spieler einen Charakter – im Spiel „Kandidat“ genannt – der eigene Fähigkeiten, Ausrüstung und kleine Besonderheiten mitbringt. Dadurch entstehen unterschiedliche Teamkombinationen und auch verschiedene Spielstile.

Der Ablauf der Matches unterscheidet sich dabei etwas von klassischen Capture-the-Flag Modi. Zu Beginn versteckt ein Spieler die Flagge seines Teams irgendwo auf der Map. Das gegnerische Team muss diese anschließend finden und in die eigene Basis bringen, während das verteidigende Team versucht, genau das zu verhindern. Die Charaktere verfügen dabei über verschiedene Fähigkeiten und Waffen, die sowohl beim Angreifen als auch beim Verteidigen strategisch eingesetzt werden können.

Eine Gameshow aus den 70ern

Optisch setzt das Spiel auf ein ziemlich ungewöhnliches Setting. Die Matches finden in einer stilisierten Retro-Gameshow im Stil der 1970er-Jahre statt, in der die Spieler als schillernde Kandidaten um Ruhm und Preisgelder kämpfen. Laut den Entwicklern stammt die Idee zu Last Flag aus ihrer eigenen Kindheit. Dan und Mac Reynolds haben früher ständig draußen „Capture the Flag“ gespielt. Viele Videospielversionen hätten das Gefühl von Verstecken, Suchen und Taktieren aber nicht so richtig eingefangen – genau dieses Erlebnis wollten sie mit Last Flag wieder ein Stück zurückholen.

Die Kandidaten in Last Flag

Unser Abend beim Digital Press Event

Julian und ich wussten vorher ehrlich gesagt nicht ganz, was uns erwartet. Klar war nur: eine Präsentation zum Spiel und danach ein Q&A. Das Ganze lief über Discord, also haben wir uns pünktlich um 18 Uhr eingeloggt. Lange warten mussten wir nicht – kurze Zeit später saßen uns bereits Dan Reynolds, Mac Reynolds und Matthew Berger gegenüber. Zunächst wurde ein wenig über die Entstehung des Studios und die Entwicklung von Last Flag gesprochen. Danach ging es aber ziemlich schnell zum spannenderen Teil des Abends.

Selbst spielen

Wir durften das Spiel direkt ausprobieren. Die Entwickler eröffneten eine Multiplayer-Lobby, und alle Teilnehmer konnten sich auf die Teams verteilen. Julian und ich haben uns natürlich nicht lange bitten lassen und sind kurzerhand im selben Team wie Dan Reynolds gelandet.

Mal ehrlich: Wie oft hat man schon die Gelegenheit, mit dem Sänger einer ziemlich bekannten Band eine Runde Multiplayer zu spielen? Wir haben insgesamt zwei Runden der Demo gespielt. Eine konnten wir gewinnen, die zweite ging ziemlich knapp verloren. Was dabei schnell aufgefallen ist: Das Spiel setzt stark auf Teamplay und Timing, wirkt dabei aber etwas weniger hektisch als viele andere Hero-Shooter. Mich hat das Ganze ein bisschen an eine Mischung aus Valorant und Overwatch erinnert – allerdings nicht ganz so hektisch.

Fragen aus der Runde

Nach den Spielrunden ging es dann noch in eine offene Q&A-Runde. Die Fragen aus der Presse- und Creator-Runde waren ziemlich bunt gemischt. Unter anderem ging es darum,

  • welche Spiele die Entwickler privat spielen
  • ob Imagine Dragons möglicherweise am Soundtrack beteiligt sein könnten
  • was die Inspiration für einzelne Charaktere war
  • und ob Spiele wie Fortnite Einfluss auf die Entwicklung hatten

Vor allem aber hat man gemerkt, wie viel Begeisterung im Team für dieses Projekt steckt.

Release steht schon fest

Mittlerweile gibt es auch schon einen konkreten Release-Termin. Last Flag erscheint am 14. April 2026 für PC über Steam und den Epic Games Store. Versionen für PlayStation 5 und Xbox Series X|S sind ebenfalls bereits in Entwicklung und sollen später im Jahr folgen. Das Studio plant außerdem schon weitere Inhalte wie neue Karten, zusätzliche Charaktere und andere Updates nach dem Release.

Last Flag Ankündigungstrailer

Fazit

Jetzt, fast einen Monat nach dem Event, kann ich sagen: Der Abend ist mir ziemlich positiv in Erinnerung geblieben. Nicht nur, weil wir ein neues Spiel kennenlernen konnten, sondern auch, weil wir die Gelegenheit hatten, mit den Entwicklern selbst zu spielen und ihre Begeisterung für das Projekt direkt mitzuerleben. Und deshalb kann man am Ende wohl sagen: Vielleicht stimmt der Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ manchmal eben doch nicht. Denn zumindest in diesem Fall zeigen Dan und Mac Reynolds, dass auch Musiker ziemlich gute Ideen für Videospiele haben können.

Ob Last Flag am Ende wirklich das „ultimative Capture-the-Flag-Spiel“ wird, wird sich natürlich erst nach dem Release zeigen. Neugierig gemacht hat uns die Demo auf jeden Fall.

Marcel, Nerdybunch